Nationalstaat, Empire, Zivilisation?
Prof. Dr. Maximilian Mayer, Bonn
Die globale Bedeutung Chinas macht ein nuanciertes Verständnis dafür, wie sich innenpolitische Prozesse auf das außenpolitische Verhalten auswirken, immer wichtiger. Denn nicht nur die oft schwer verständlichen Dynamiken von Pekings Außenpolitik, sondern auch die soziale, ökonomische und kulturelle Komplexität der Volksrepublik China widersprechen der verbreiteten Annahme, das Land sei ein homogener Akteur. In diesem Vortrag wird aus einer konstruktivistischen Perspektive Chinas dreifache Identität als Nationalstaat, Empire und Zivilisation untersucht. Einerseits lässt sich die Problematik der sich festigenden modernen Staatlichkeit in China als die Notwendigkeit beschreiben, die widerstreitenden Aspekte dieser Staatlichkeit (imperial, nationalstaatlich, zivilisatorisch) immer wieder neu auszutarieren. Andererseits lässt sich die Aushandlung dieser identitären Trias des chinesischen „Geo-Körpers” (geobody) als eine Art Transmissionsriemen zwischen den innenpolitischen Diskursen des Parteistaats und den relationalen Konstellationen des globalen China analysieren, wodurch Ebenso werden Chinas widersprüchliche Verhaltungsmuster und deren Auswirkungen auf regionaler und globaler Ebene nachvollziehbarer werden dargestellt.
Dr. Maximilian Mayer ist Junior-Professor für Internationale Beziehungen und globale Technologiepolitik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Zuvor arbeitete er an der University of Nottingham Ningbo China, der Technischen Universität München, der Tongji University in Shanghai und am Center for Global Studies der Universität Bonn. Seine Forschungsinteressen umfassen u.a. Infrastrukturen und Technologie in der internationalen Politik sowie Chinas Technologie-, Außen- und Energiepolitik. Neben zahlreichen Fachartikeln ist er Mitherausgeber von The Global Politics of Science and Technology, Art and Sovereignty in Global Politics, Rethinking the Silk-Road: Chinas Belt and Road Initiative and Emerging Eurasian Relations und Routledge Handbook on Global China (2024). Von 2020 bis 2025 leitete er die Nachwuchsforschungsgruppe „Infrastructures of China’s Modernity and Their Global Constitutive Effects”, gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen. Seine Expertise erreicht eine breitere Öffentlichkeit durch Interviews oder Zitierungen in Medien und Zeitungen.
Neuere Veröffentlichungen zum Thema:
Maximilian Mayer & Frederik Schmitz (eds): The Digitalization of Memory Practices in China. Contesting the Curating State. (Bristol University Press, 2025)
Maximilian Mayer, Emilian Kavalski, Xin Zhang, and Marina Rudyak (eds.): Routledge Handbook on Global China. (London: Routledge, 2025).
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