KAFFEEHAUSLIEDER von Zhai Yongming

CHINA BUCHCLUB TRIER
Eine Veranstaltungsreihe des Konfuzius Instituts Trier und der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Trier e.V. in Kooperation mit der Buchhandlung GEGENLICHT Trier, Glockenstraße 10
Buchvorstellung von Prof. Dr. Wolfgang Kubin

Kaffeehauslieder – der Titel dieses Lyrikbandes öffnet die Tür zum Lebensraum abendländisch-männlichen Geisteslebens – so scheint es. Doch die Gedichte stammen von einer Frau, und diese stammt aus China. Was Zhai Yongming an sich und den anderen beobachtet, dem widmet sie sich ausgiebig – hier ist das Gedicht keine Kurzform, bleibt auch keine vereinzelte Momentaufnahme. Vielmehr sind es Lebensgeschichten, die sich ihrer poetischen Aufmerksamkeit öffnen und zu Zyklen entwickeln. Zhai Yongming fokussiert weiblich, das ist keine Frage, und Sylvia Plath und Frida Kahlo haben sie darin beeinflusst, doch was an so unterschiedlichen Plätzen der Welt wie Chengdu, New York und Berlin in ihren Blick gerät, gibt sich in ihren Versen als existenzielle Grundform zu erkennen. 'Und es ist nicht nur die Sonne, die kreist, der Abstieg begann zuvor, als ich zur Welt kam, mit dem Kopf zuerst, welch schreckliche Plage, so gewann ich Form behielt den Blick zur Erde als Fakt und wuchs heran'

Kaffeehauslieder. Gedichte Taschenbuch – 1. März 2004
von Yongming Zhai (Autor), Wolfgang Kubin (Nachwort, Übersetzer) 

Zhai Yongming Ihr poetisches Werk zeichnet eine beispielhafte Entwicklung aus. Es beginnt 1983 mit der privaten Publikation des Zyklus »Frauen«, der mit seiner Dunkelheit noch ganz in der Nachfolge der Hermetischen Schule steht, aber gleichwohl schon Anzeichen eines neuen feministischen und poetischen Diskurses zu erkennen gibt.
Der Aufenthalt in New York Anfang der neunziger Jahre bedeutete zwar einen poetischen Bruch mit der Vergangenheit, doch auch einen Neuanfang. Zhai begann nun, Langgedichte zu schreiben, die aufgrund ihres narrativen Charakters offener wirken. Es ging nun auch nicht mehr um das persönliche Leid der Frau, sondern um das historische, das allgemeine Leid, das alle Frauen mit einander teilen.
Aufgrund der Komplexität ihrer Texte gibt es bislang nur wenige Übersetzungen. Eine vergleichsweise repräsentative Übertragung des Werkes in eine europäische Sprache liegt nur mit den »Kaffeehausliedern« (2004) auf Deutsch vor. Ihr langjähriger Übersetzer und der literaturwissenschaftliche Begleiter ihres Werkes ist Wolfgang Kubin.
Zhai Yongming lebt als freie Schriftstellerin in Chengdu. 

Wolfgang Kubin ist ein deutscher Lyriker, Essayist, Sinologe, Hochschullehrer und Literatur-Übersetzer. Er zählt zu den angesehensten Sinologen Europas. Bekanntheit über die Grenzen der Sinologie hinaus erreichte er als Übersetzer moderner chinesischer Prosa und Lyrik. Seine bekannteste Arbeit dürfte die sechsbändige Übersetzung der Erzählungen und Essays Lu Xuns sein. Seine Geschichte der chinesischen Literatur im 20. Jahrhundert gilt als Standardwerk. Unter seinem chinesischen Namen 顧彬 (Gù Bīn) veröffentlicht er auch in China.
Kubin arbeitet seit 2011 als Senior-Professor hauptsächlich an der Beijing Foreign Studies University (Peking) und seit 2019 an der Shantou University (Shantou, Guangdong).
Wolfgang Kubin unterrichtet hauptsächlich als Sinologe, Germanist und Philosoph in chinesischer Sprache chinesische und deutsche Geistesgeschichte.
 

Kaffeehauslieder
Termine
Do., 13.08.2026, 18:30 Uhr - 20:00 Uhr
Details
Gebühr
0.00€
Sprache
Deutsch
Veranstaltungsort
KONFUZIUS INSTITUT TRIER, Christophstraße 12
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